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KulturethikAllgemein

Mobbing

Ein Angriff gegen die Würde und Ebenbildlichkeit des Menschen

Mobbing ist fast jedem ein (alt-) be­kanntes Thema: Entweder hat man es während der Schulzeit selbst erlebt oder wurde Zeuge eines Mobbingfal­les, ansonsten vielleicht durch die Me­dien. Mobbing ist für Jugendliche ein leider immer wieder auftretendes, rea­les Problem. Doch oft sind Schüler selbst sowie auch Erwachsene nicht hinreichend informiert, um weise und verantwortlich damit umzugehen. Die­ser Newsletter will deshalb zunächst erklären, was Mobbing ist und welche Umstände sich dahinter verbergen, aber dann auch eine theologisch-ethi­sche Orientierung bieten und im dritten Teil schließlich konkrete Handlungs­vorschläge für die christliche Jugendar­beit geben.

I. Was steckt hinter Mobbing? Ein paar Grundlagen

Paul geht nicht mehr gern zur Schule, weil er ge­mobbt wird. Angefangen hat das vor einem hal­ben Jahr: Sein damals bester Freund Stephan machte sich auf einmal vor allen anderen über Pauls neue Frisur lustig. Zuerst dachte Paul, es wäre nur Spaß, und hat mitgelacht. Bald jedoch änderte sich das: Stephan machte auch in den folgenden Tagen immer wieder Witze über Paul und ließ die anderen aus der Klasse auf seine Kosten lachen, bis keiner ihn mehr ernst nahm. Als Paul Stephan damit konfrontierte und ihn bat aufzuhören, drohte der ihm auf einmal: Er würde ihm seine neue Jacke kaputt machen, wenn Paul sich nochmal beschwerte. Als Paul nach der Schule heimgehen wollte, war seine Ja­cke wirklich zerstört. In den nächsten Wochen musste Paul an Stephan und seine begeisterten „Fans“ ständig sein Essen abgeben, und als er sich wehrte, schlug Stephan auf ihn ein, wäh­rend die anderen Jungs ihn festhielten. Das war vor einer Woche, und jetzt hat Paul Angst, in die Schule zu gehen. Erzählen will er lieber nieman­dem davon, damit nicht Stephan davon erfährt und ihn noch mehr drangsaliert. Auch auf die Ju­gendgruppe in der Gemeinde hat er keine große Lust mehr, da dort auch einige Klassenkamera­den sind. Sie halten sich zwar raus und machen nicht direkt mit, aber vielleicht erzählen sie an­deren aus der Klasse etwas von Paul. Er hat das Gefühl, er kann sich niemandem mehr anver­trauen, ohne dass Stephan es erfährt.

So oder ähnlich ereignen sich heutzutage in vie­len Schulen und an anderen Orten Mobbing-Vor­fälle. Das Beispiel enthält einige charakteristi­sche Merkmale von Mobbing, die wir im Folgen­den näher erläutern:

1.1. Mobbing: Eine Definition

Neben dem bekannten Begriff „Mobbing“, der sich seit den 1980ern/1990ern in Deutschland und weiteren Ländern verbreitete, wird in der Fachsprache sowie teilweise im englischsprachi­gen Bereich gern ein anderer Begriff verwendet, nämlich „Bullying".1Vgl. Wachs, Mobbing, 20 f. Manchmal wird Mobbing eher für Schikanen am Arbeitsplatz und Bullying für selbige Handlungen unter Jugendlichen verwendet, vgl. Teuschel, Bullying, 12 f. Wir wollen jedoch im Fol­genden den geläufigeren Begriff „Mobbing“ ver­wenden. 

Auch wenn es kleine Unterschiede gibt, sind sich die meisten Forscher einig, dass eine Mobbing-Handlung aus folgenden Merkmalen bestehen muss, um sie von anderen aggressiven Handlun­gen abzugrenzen:2Vgl. dazu die Definitionen von Teuschel, Bullying, 34 f.; Jannan, Anti-Mobbing-Buch, 22; Alsaker, Mutig, 14; Wachs, Mobbing an Schulen, 18 f.

  • Ein Kind oder Jugendlicher wird von einer oder mehreren Personen absichtlich aggres­siv und negativ behandelt.
  • Das passiert öfter (mehrmals im Monat bis mindestens einmal wöchentlich) über einen längeren Zeitraum hinweg (mindestens ein Vierteljahr, kann aber auch mehrere Jahre andauern).
  • Dabei entsteht ein Machtungleichgewicht zwischen Täter(n) und Opfer, so dass das Op­fer sich nicht wehren kann und dem Mobbing hilflos ausgesetzt ist.

Das erste dieser Merkmale weist darauf hin, dass eine bewusste Absicht besteht, eine bestimmte Person zu verletzen und zu schädigen. Täter und Opfer kennen sich in den meisten Fällen aus der Schule und somit nutzen Täter die Dynamik und Hierarchie innerhalb ihrer Gruppe bewusst aus, damit sie das Opfer verletzen können. 

Der Wiederholungsaspekt macht deutlich, dass Mobbing nicht vorliegt, wenn es einmal zu einer Auseinandersetzung zwischen Freunden oder zum „Kräftemessen“ kommt. Mobbing liegt dann vor, wenn es regelmäßig passiert und auch mehrere Monate andauert. Jedoch können diese Kriterien relativiert werden, wenn einzelne An­griffe so stark sind, dass sie direkt traumatisie­rend auf das Opfer wirken. Man sollte somit also neben Häufigkeit und Dauer auch den Faktor der Intensität berücksichtigen.3Vgl. Teuschel, Bullying, 31 ff.

Dass es sich bei Mobbing um ein Machtungleich­gewicht handelt, unterscheidet es ebenfalls von anderen Konflikten. So gibt es immer nur ein Op­fer; Täter kann es mehrere geben. Manchmal kann ein Täter auch eine Person sein, die eine überlegene Position besitzt (z.B. indem sie scheinbar stärker oder älter ist, mehr Ansehen innerhalb der Clique hat, besser reden kann usw.). Durch diese Machtausübung fühlt sich das Opfer hilflos und es wird ihm nicht möglich, sich aus eigener Kraft gegen das Mobbing zu wehren. Dies führt zu Erfolgserlebnissen bei dem/den Tä­ter/n und somit zur Wiederholung: Es entsteht ein Teufelskreis. Daraus können längerfristig schwere psychische Störungen beim Opfer ent­stehen. Aber auch Täter tragen Folgen davon, dazu später mehr.

Mobbing kann sich auf unterschiedliche Art und Weise äußern; man kann von direktem und indi­rektem Mobbing reden. Bei direkten Mobbing-Attacken erkennt das Opfer seine(n) Täter; bei indirekten Fällen jedoch weiß es selbst nicht, wer Urheber des Mobbings ist. Diese Vertu­schung kann durch Dritte oder Gegenstände er­folgen, durch welche die Mobbing-Attacke auf das Opfer übertragen wird. Dabei können beide Formen auf der physischen, verbalen oder der relationalen Ebene praktiziert werden. Hierfür einige Beispiele: 

Physische Ebene

  • Direkt: Schlagen, kratzen, treten, bei­ßen, Zerstören von Eigentum
  • Indirekt: Anstiftung anderer, das Opfer zu verletzen, eine Falle stellen

Verbale Ebene

  • Direkt: Drohen, beschimpfen, belästi­gen, verletzende Spitznamen geben, Er­pressung
  • Indirekt: Beschimpfungen, die über das Opfer geäußert werden, ohne es direkt anzusprechen

Beziehungsebene

  • Direkt: Ausschließen, herausekeln, ig­norieren, ausgrenzen
  • Indirekt: Manipulieren Anderer, Ge­rüchte verbreiten.4Beispiele entnommen aus Wachs, Mobbing, 29.

Neben diesen typischen Formen gibt es den Spe­zialfall des sogenannten „Cyber-Mobbing“, also Mobbing in und durch elektronische Medien. Darauf wird weiter unten nochmals gesondert eingegangen.

Dass Mobbing nichts Seltenes ist, wird durch Un­tersuchungen bestätigt. Am häufigsten begegnet Mobbing in der Grundschule, wird aber auch in höheren Schulformen oft erlebt. Die geringste Mobbingquote ist an Gymnasien zu finden; je­doch geben auch dort nur 43% an, dass sie noch nie Gewalt- oder Ausgrenzungserfahrungen er­lebt haben.5Vgl. die Studie „Children’s Worlds+“, 93. Da dies keine Langzeitstudie ist, wurde hier nach den Erfahrungen im letzten Monat gefragt. Die hohen Zahlen lassen jedoch vermuten, dass sich solche Taten auch regelmäßig ereignen. Dass Mobbing ein so hohes Vorkom­men in der Grundschule aufweist, kann daran liegen, dass jüngere Kinder sich noch öfter hän­seln und auch schneller kleine körperliche Über­griffe anwenden, während dies bei Älteren weni­ger der Fall ist. Dagegen ist jedoch die Intensität und Schwere des Mobbings oft in höheren Klas­senstufen gravierender.6Vgl. Jannan, Anti-Mobbing-Buch, 25. Wenn Mobbing für Ju­gendliche also so präsent ist, dann sollten Mitar­beiter in der Jugendarbeit damit rechnen, dass auch unter „ihren“ Jugendlichen Opfer (oder auch Täter) zu finden sind, die es zu unterstützen gilt!

Im Folgenden wollen wir die einzelnen Personen im Mobbing-Konflikt genauer betrachten und die Folgen für die Beteiligten darstellen.

1.2. Die Opfer von Mobbing

Prinzipiell kann jede Person ein Mobbing-Opfer werden. Täter können sich rein zufällig oder durch bestimmte Umstände ein Opfer suchen. Jedoch gibt es einige Merkmale, die bei Opfern vermehrt auftreten und die wir im Folgenden er­läutern wollen. Dabei ist zwischen zwei Gruppen zu unterscheiden:7Merkmale entnommen aus Teuschel, Bullying, 89, 98-99, 102; Jannan, Anti-Mobbing-Buch, 35 f.

Passive Opfer 

-Passive Opfer sind oft schwächer oder unge­schickter als andere Gleichaltrige; weiterhin können Übergewicht, kleine Körpergröße oder Behinderungen das Risiko erhöhen, gemobbt zu werden.

-Sie haben häufig ein negatives Selbstwertgefühl und können dazu neigen, sich schnell selbst die Schuld zu geben.

-Sie sind charakterlich eher unsicher und schüchtern, reagieren sensibler und ängstlicher als andere und verhalten sich meist still. Oft zie­hen sie sich zurück und sind nicht gut in eine Gruppe integriert- was das Mobbing natürlich begünstigt.

Provozierende Opfer

-Provozierende Opfer hingegen sind oft selbst aggressiv und zugleich ängstlich und lassen sich schnell reizen.

-Sie können sich schlecht konzentrieren und wir­ken hyperaktiv.

-Sie spielen sich meist in den Vordergrund, wer­den jedoch aufgrund ihrer Aggressivität und Hy­peraktivität vom Rest der Gruppe abgelehnt.

Ein Opfer gerät in einen Mobbing-Kreislauf, in­dem es zuerst den Handlungen des Täters unter­liegt. Daraufhin wird dieser Kreislauf durch die Reaktion des Umfelds verstärkt, da Opfer oft kein Verständnis erleben oder unfähig sind, sich Hilfe zu holen. Schließlich gibt das Opfer inner­lich auf, ergibt sich seinem Schicksal und identi­fiziert sich letztendlich mit seiner Opferrolle. Da­mit wird es wieder leichter angreifbar für neue Mobbing-Handlungen und landet somit in ei­nem Teufelskreis. Bei provozierenden Opfern kommt der Umstand hinzu, dass sich diese oft­mals versuchen zu wehren. Dies erregt den Un­mut des Lehrers und der Gruppe und verstärkt somit das Vorgehen gegen das Opfer. Manchmal wirkt es auf Außenstehende sogar, als wäre das provozierende Opfer der eigentliche Mobbing-Täter, der bestraft werden muss. Auch so ent­steht ein Teufelskreis.

Folgen für die Opfer

Mobbing hat weitreichende Folgen für die Opfer, da sie den verletzenden Handlungen meist über einen langen Zeitraum ausgesetzt sind und somit kaum die Möglichkeit haben, sich davon zu erho­len. Kurz- bzw. mittelfristige Folgen sind dabei oft:

-Psychosomatische Symptome wie Schlafstörun­gen, Kopfschmerzen oder Übelkeit;

-psychische Probleme (z.B. negativer Selbstwert, Gefühle wie Wut, Stress, Trauer oder Angst, Ess­störungen, Selbstverletzung oder Depressio­nen);

-soziale Isolation und Rückzug;

-Abnahme der Leistungsfähigkeit in der Schule.

Daneben können selbst Jahre später noch Folgen des Mobbings nachgewiesen werden. Opfer ha­ben auch als Erwachsene häufiger das Risiko, unter Depressionen oder anderen psychischen Problemen sowie an sozialem Rückzug zu lei­den.8Vgl. Wachs, Mobbing, 69 ff.

1.3. Die Täter von Mobbing

Mobbing-Täter sind tatsächlich meistens Jun­gen; ihr Anteil steigt mit zunehmendem Alter an. Natürlich gibt es auch mobbende Mädchen, je­doch nicht in so hohem Maße. Außerdem unter­scheidet sich die Art und Weise, wie beide Ge­schlechter mobben; Jungen sind dabei eher kör­perlich-aggressiv, während Mädchen vor allem verbal mobben.9Vgl. Jannan, Anti-Mobbing-Buch, 31 f. Doch was treibt Täter an, sich andere Jugendliche als Opfer zu suchen und diese zu schikanieren? 

Motive

Die Motive sind vielschichtig: So kann das eigene Selbstbild dadurch bestätigt bzw. aufgewertet werden, das entweder zu hoch ist („Ich bin so toll“) oder zu niedrig („Ich bin so schlecht“). Wird ein anderer abgewertet, kann sich der Tä­ter in seiner Machtposition sicher und wohl füh­len. Weiterhin können Vormachtstreben oder Eifersucht Gründe sein, also die Angst um den ei­genen Rang in der Gruppe. Daneben sind leider auch lapidare Dinge wie Langeweile, die Lust am Quälen oder angestaute Aggressionen zu nen­nen, die als Motive für Mobbing dienen können. Nicht zuletzt kann auch eine rassistische oder homophobe Einstellung ursächlich sein.10Vgl. Teuschel, Bullying, 111 ff.

Kennzeichen von Tätern

Auch Täter haben bestimmte Charakteristika:11Merkmale entnommen aus Teuschel, Bullying, 120 ff.; Jannan, Anti-Mobbing-Buch, 32 f.

-Sie sind oft größer, älter und stärker;

-sie haben häufig eine positive Körpereinstel­lung, bewegen sich gern und haben eine domi­nante Körperhaltung;

-ihr Selbstbild ist meist positiv bis selbst­zentriert, kann jedoch auch Selbstzweifel auf­weisen;

-sie neigen zu Aggressivität und Gewalt und ha­ben wenig Empathievermögen, sind impulsiv und verfügen kaum über eigene Konfliktlösungs­strategien;

-neben den „gewöhnlichen“ Tätern gibt es auch die „Opfer-Täter“, welche häufig mit provozie­renden Opfern identisch sind. Sie wechseln zwi­schen Rückzug und aggressiven Handlungen, so dass sie mit ihrer Impulsivität oft für Irritation und Unruhe in Klassen sorgen und umso schnel­ler an den Rand der Gruppe geraten.

Täter können ebenso in einen Teufelskreis von Mobbing geraten. Ihr meist sowieso schon über­höhtes Selbstbild wird zunächst durch ihre er­folgreichen Mobbing-Handlungen bestätigt, so­wie weiterhin durch die ausbleibenden Sanktio­nen der Erwachsenen und die Bestätigung der Clique verstärkt und gefestigt. Damit wiederho­len sie das Mobbing immer wieder. 

Folgen für die Täter

Für die Täter hat Mobbing auch Folgen. So kön­nen auch sie körperliche Beschwerden wie Kopf­schmerzen oder Übelkeit aufweisen, da sie im­mer unter Druck stehen, nicht erwischt zu wer­den. Eine schwerwiegende Konsequenz ist, dass sie im Jugend- und schließlich auch Erwachse­nenalter vermehrt zu Gewalttaten und delin­quentem Verhalten neigen, indem sie z.B. gegen Erwachsene übergriffig werden, stehlen oder Drogen nehmen. Auch in ihren sozialen Bezie­hungen erleben sie Aggressionen; so sind Part­nerschaften häufig von Gewalt und kurzer Dauer geprägt und ihr Freundeskreis besteht aus ähn­lich Gesinnten. Dadurch haben Täter jedoch kaum die Möglichkeit, prosoziales Verhalten zu erlernen. Dies führt zu einer Verstärkung ihrer Aggressivität und somit auch zu weiteren negati­ven Folgen, die schließlich in Arbeitslosigkeit, Depressionen oder Gefängnis enden können.12Vgl. Wachs, Mobbing, 73 ff.; Alsaker, Mutig, 136 ff.

Es wird also deutlich, dass Mobbing ein ernstzu­nehmendes Problem sowohl für das Opfer als auch für den oder die Täter darstellt. Manchmal wünschen sich Täter sogar, aus ihrer Rolle als Mobber herauszukommen, was aber durch ihr Umfeld und ihre Unfähigkeit, Konflikte kon­struktiv zu lösen, behindert wird.13Vgl. Alsaker, Mutig, 76. Deshalb muss auch Tätern geholfen werden, mit ihren Aggres­sionen gut umzugehen und ihr negatives Verhal­ten zu verändern.

Im Anschluss folgt ein Blick auf das Umfeld von Opfer und Täter, welches wesentlich den Mob­bing-Prozess beeinflusst.

1.4. Das Umfeld

Mobbing könnte nie so attraktiv für Täter sein, wenn es nicht ein Umfeld gäbe, das zunächst die Voraussetzung für Mobbing bietet und dieses dann auch nährt. Dabei spielen sowohl die Mit­schüler und Lehrer als auch die Schule insge­samt sowie die Familie eine Rolle. 

Die anderen Jugendlichen

Bei den Mitschülern lassen sich folgende „Ty­pen“ unterscheiden:14Vgl. z.B. Teuschel, Bullying, 135 ff; Wachs, Mobbing, 64. Zu den Häufigkeiten: In der Studie waren etwa weitere 8% Täter, 17% Opfer und 13% konnten keiner Gruppe zugerechnet werden.

-Die Assistenten: Sie sind die „Mitläufer“, welche dem Täter bei seinen Schikanen gegen das Opfer helfen, ca. 7% der Jugendlichen.

-Die Verstärker: Ohne direkt am Mobbing betei­ligt zu sein, sind sie das „Publikum“, welches zu­schaut und somit zum Erfolg des Mobbings bei­trägt; ca. 20 % der Mitschüler.

-Die „Raushalter“: Sie halten sich aktiv vom Mob­binggeschehen fern, auch wenn sie es mitbe­kommen (vielleicht aus Furcht oder weil sie sich nicht „einmischen“ wollen). Sie bilden die größte Gruppe mit ca. 24%.

-Die Verteidiger: Sie versuchen, das Opfer zu un­terstützen, haben jedoch meist nicht die Mög­lichkeiten, um den Mobbingkonflikt zu beenden; ca. 17% der Jugendlichen.

Die Lehrer und Schulen

Lehrer können theoretisch genauso die oben be­schriebenen Rollen im Mobbing-Konflikt ein­nehmen. Sind sie nicht ausreichend über das Thema informiert oder erkennen den Konflikt nicht hinreichend, werden sie zu Verstärkern oder Raushaltern. Sie können jedoch auch eine positive Rolle einnehmen, indem sie das Mob­bing unterbinden und die Jugendlichen darin fördern, Konflikte konstruktiv zu lösen. Wie Leh­rer mit Mobbing umgehen, hängt stark davon ab, inwieweit sie darin geschult sind und welche Einstellung in der Schule allgemein dazu herrscht. Wird Wert auf ein angenehmes, rück­sichtsvolles Miteinander und positives Lern­klima gelegt, ist die Gefahr von Mobbing gerin­ger als in einem negativen Klima. 

Die Eltern und Familien

Die Erziehung der Eltern und das Familienklima kann durchaus darauf Einfluss haben, ob Ju­gendliche zu Mobbing-Tätern oder -Opfern wer­den. Bei Mobbing-Opfern können dies folgende Faktoren sein:15Vgl. dazu Wachs, Mobbing, 54; Teuschel, Bullying, 163 ff.

Eine überbehütende Erziehung (meist durch die Mutter, mit einem gleichzeitig distanzierten Va­ter); restriktiver, strenger Erziehungsstil; Ver­nachlässigung und/oder körperlicher Miss­brauch.

Für Mobbing-Täter sind Risikofaktoren:

Gewalt (in der Familie) und ein bestrafender Er­ziehungsstil; Zurückweisung und Vernachlässi­gung; keine Unterstützung der Kinder oder man­gelnde Beaufsichtigung.

In beiden Fällen wird deutlich, dass der gesamt­familiäre Zusammenhalt gestört ist und die Ju­gendlichen somit nicht die Wärme und Gebor­genheit empfangen können, die sie in dieser Le­bensphase eigentlich brauchen.

Da das Umfeld also eine bedeutende Rolle für den Mobbing-Prozess hat, ist es auch von Bedeu­tung, dass Gemeinden eingreifen und versu­chen, positiven Einfluss zu nehmen. Bevor wir über Handlungsmöglichkeiten nachdenken, soll noch ein Blick auf den Spezialfall Cybermobbing geworfen werden.

1.5. Cybermobbing

Cybermobbing ist eine neuere Form von Mob­bing, die durch die Verbreitung der elektroni­schen Medien Einzug gehalten hat. Dabei wird ein Opfer mittels der Medien gemobbt, indem z.B. falsche Aussagen oder Bilder in sozialen Netzwerken verbreitet werden. Prinzipiell sind auch hier die gleichen Merkmale wie bei „tradi­tionellem“ Mobbing vorhanden (s. 1.1), jedoch machen einige Besonderheiten diese Form von Mobbing oft noch schwerwiegender:16Vgl. Katzer, Cybermobbing, 61.

-Es besteht ein hoher Anonymitätsgrad, da die Täter schwerer zu erkennen sind (z.B. aufgrund von Fakeprofilen in sozialen Netzwerken etc.). Da die Opfer nicht genau nachweisen können, wer sie mobbt, entsteht ein noch größeres Ohn­machtsgefühl.

-Ebenso ist Cybermobbing für alle Welt öffent­lich, wenn es im Internet verbreitet wird.

-Cybermobbing ist endlos, da Daten sich im Netz rasch verbreiten und daher praktisch nie voll­ständig gelöscht werden können.

-Somit haben Opfer von Cybermobbing gar kei­nen Schutzraum mehr, nicht einmal ihr eigenes Zimmer.

Cybermobbing kann auf verbaler Ebene (z.B. durch Beleidigungen oder Erpressung) gesche­hen, oder auf der psychischen Ebene. Beispiele dafür sind die Erstellung von Fake-Profilen, Hassgruppen, die Verbreitung peinlicher oder intimer Fotos/Videos, oder die Verlinkung von Profilen zu Websites mit unangenehmen Inhal­ten (z.B. Pornoseiten, rechtsradikale Websites). Dabei werden alle möglichen Plattformen be­nutzt wie Chatrooms, Gaming-Seiten, Emails, so­ziale Netzwerke, Videoplattformen oder auch di­rekte Mobbing-Seiten.17Vgl. ebd. 62 ff. Häufig werden Jugendli­che schon in der Schule gemobbt und zusätzlich noch durch Cybermobbing. Alle diese Dinge füh­ren dazu, dass Opfer von Cybermobbing oft noch stärker traumatisiert sind als „traditionelle“ Mobbing-Opfer,18Vgl. Teuschel, Bullying, 23 f. was umso mehr zu Depressio­nen und Rückzug führen kann, aber auch zum Suizid, da sie keinen anderen Ausweg mehr se­hen.

Es wurde deutlich, dass Cybermobbing und auch „traditionelles“ Mobbing sowohl bei den Opfern als auch bei den Tätern enorme Schäden hinter­lassen können. Deshalb ist gerade hier die christ­liche Gemeinde gefragt, solche Personen zu un­terstützen und Mobbing zu verhindern. Bevor wir in Teil 3 die Handlungsmöglichkeiten be­trachten, wollen wir zunächst nach biblischer Orientierung dafür suchen. 

II. Theologisch-ethische Orientierung

In der Bibel ist der Begriff „Mobbing“ noch nicht zu finden, aber das zugrunde liegende Konzept von Benachteiligung oder Unterdrückung begeg­net häufig. Im Folgenden wollen wir uns deshalb mit einigen biblischen Beispielen befassen und daraus hilfreiche ethische Aspekte ableiten. 

2.1. Joseph und seine Brüder: Mobbing ist komplex

Die Geschichte von Josef und seinen Brüdern (1. Mose, Kapitel 37 und 42-45) weist durchaus Mob­bing-Merkmale auf: Ein Einzelner (Josef) wird von seinen Brüdern absichtlich gewalttätig be­handelt, so dass ein Machtungleichgewicht ent­steht. Zwar geschieht dies nur einmal, aber dafür hat diese Tat einen so hohen Schweregrad, dass sie Josef vermutlich traumatisiert hat.19Wenn eine Einzeltat schon traumatisierende Folgen für das Opfer hat, kann dies auch Mobbing sein, s. unter 1.1. Welche Erkenntnisse können wir nun aus der Ge­schichte gewinnen?

Zunächst ist ein ganz unscheinbarer, aber wich­tiger Aspekt zu nennen: Die Bibel weiß um Unge­rechtigkeit und Sündhaftigkeit der Menschen und verheimlicht diese nicht. Ursprünglich, in Eden, war dies anders. Dort erschuf Gott den Menschen nach seinem Bild als Mann und Frau (1. Mo 1,27). Diese Ebenbildlichkeit des Men­schen begründet zutiefst seine Einzigartigkeit und Würde: Gott hat eine Beziehung zum Men­schen, die ihn aus den anderen Geschöpfen her­aushebt. Das bedeutet, dass jede Person auf ein­zigartige Weise Gottes Herrlichkeit widerspie­gelt und dazu berufen ist, sein Repräsentant auf der Erde zu sein. Doch dann lässt sich der Mensch von Satan dazu verführen, Gott nicht mehr bedingungslos zu vertrauen, sondern ei­genhändig die Führung für sein Leben zu über­nehmen (1. Mose 3). Damit erklärt er sich und seine Maßstäbe für göttlich, anstatt sich von Got­tes Sicht auf den Menschen bestimmen zu lassen und den Mitmenschen ebenso als nach Gottes Ebenbild erschaffen anzuerkennen. Genau das passiert bei Mobbing: Auf Kosten einer anderen Person wird die eigene Macht gestärkt und ein Selbstvorteil gesucht. So suchen Josefs Brüder in der Geschichte aus Neid nach einer Möglichkeit, wie sie Josef demütigen können, um auch einmal Genugtuung und vielleicht sogar Anerkennung zu bekommen. 

Wie schon zu biblischen Zeiten sind auch wir von unserem egoistischen, sündigen Denken ange­trieben und suchen fast immer nach Möglichkei­ten, uns selbst zuerst zufriedenzustellen. Mob­bing ist demnach ein Ausdruck unserer sündhaf­ten Natur, die dazu neigt, die Würde der Gottebe­nbildlichkeit im anderen zu missachten.

Eine zweite Beobachtung aus der Geschichte ist, dass es nicht immer nur einen Schuldigen gibt. Zwar sind die Brüder die Mobbing-Täter, indem sie Josef in die Grube werfen (anfangs wollten sie ihn sogar töten(!), vgl. 1. Mose 37,18-24). Eine Wurzel dafür ist ihr Neid, ausgelöst dadurch, dass ihr Vater Jakob Josef ihnen gegenüber be­vorzugte (vgl. 1. Mose 37,3-4). Außerdem verhält sich Josef ähnlich einem „provozierenden Op­fer“, indem er mit seinen Träumen prahlt, den Neid der Brüder befeuert und ihre Beziehung verschlechtert (vgl. 1. Mose 37,5-11). Somit trägt auch das unbedachte Verhalten von Jakob und Josef zur Eskalation des Konflikts bei.

Auch heute sind Faktoren, die zu Mobbing bei­tragen, nicht nur allein bei den Tätern zu su­chen, sondern die Ursachen können komplexer Beziehungsnatur sein, wie schon in Kapitel 1 ge­zeigt wurde.

Schließlich wird in der Josefsgeschichte deut­lich, dass Gott trotz des Konflikts etwas Gutes mit Josef und letztendlich der ganzen Familie im Sinn hat. Josef muss viele schwierige Erfahrun­gen ertragen, wobei sein Charakter reift und Gott ihn schließlich sogar als den zweitmächtigsten Mann Ägyptens einsetzt. Auch wenn Josefs erste Reaktion auf das Wiedersehen mit seinen Brü­dern von Ablehnung und Härte geprägt ist, be­wirkt Gott letztendlich Versöhnung in der Fami­lie (vgl. 1. Mose 42-45), die daraufhin wächst und zu Wohlstand gelangt.

Mobbing an sich ist eine ungerechte und demü­tigende Tat, die nicht beschönigt werden darf. Im Ertragen der Situation hilft Christen aber das Vertrauen darauf, dass Gott selbst aus solchen dunklen Erfahrungen etwas Neues und Gutes im Leben der Opfer, aber auch der Täter entstehen lassen kann. Dazu ist jedoch die Bereitschaft für Vergebung und Versöhnung notwendig.

2.2. Jesus und Bartimäus: Erneuerung der Ebenbildlichkeit

Eine zweite Geschichte, die uns ethische Orien­tierung gibt, findet sich in Markus 10,46-52. Jesus begegnet dort dem blinden Bettler Bartimäus, der vom Volk verachtet und angeherrscht wird, nicht so laut zu schreien. Auf diese Schreie rea­giert Jesus jedoch, lässt ihn herkommen und macht ihn wieder sehend.

Dies ist nur eine Geschichte von vielen, die ver­anschaulicht, dass Jesus sich über die Armen, Zerbrochenen und Unangesehenen erbarmt, die in der Gesellschaft am Rand stehen. Gerade sol­chen Menschen, die nichts vorzuweisen haben und nicht den Maßstäben dieser Welt genügen, kommt er nahe. Er schenkt denen Anerkennung, die sonst nirgendwo Anerkennung bekommen und bietet allen Menschen die Liebe Gottes an, unabhängig von menschlichen Vorurteilen oder Rangdenken. Dies kann er tun, weil er als das Ebenbild Gottes der Mensch ist, wie Gott sich ihn gedacht hat: Als Mensch, der für die anderen da ist und für sie sogar sein Leben hingibt. 

Jesus erfährt außerdem selbst, was es heißt, ein Mobbingopfer zu sein und geht bis in den Tod für uns. Wenn wir Menschen dies annehmen und an ihn glauben, wird uns von Neuem Würde und Ebenbildlichkeit zugesprochen, wie es bei Barti­mäus der Fall ist. Wir stehen nicht länger unter dem Urteil von Menschen und müssen uns die­sem beugen oder anpassen, sondern empfangen unsere Anerkennung aus Gottes Gnade durch Jesu Blut. Das gilt, auch wenn es bis zur endgül­tigen Erlösung immer noch Sünde und Mobbing gibt und auch Christen nicht davor bewahrt wer­den.

Mit Jesu Erlösung wird auch die Feindschaft zwi­schen den Menschen beendet: Gott liebt jeden Menschen und hat seinen Sohn für alle gesandt, damit sie Leben haben können. Bartimäus folgt ihm nach (vgl. Mk 10,52), sowie viele weitere „Sünder“ und unbeliebte Leute. So stiftet Jesus eine Gemeinschaft, seinen Leib, in der es keine Unterscheidung nach Äußerlichkeiten mehr gibt.

Als Christen sind wir außerdem mit dem Heili­gen Geist erfüllt und werden dadurch befähigt, den „neuen Menschen“ mit veränderten Verhal­tensweisen anzuziehen (vgl. Röm 12,2; Eph 4,22-24; Kol 3,9-10). Immer wieder werden wir im Neuen Testament aufgefordert, andere zu lieben und sogar höher zu achten als uns selbst (vgl. z.B. Phil 2,3-4), jede Feindseligkeit oder Ansehen der Person soll vermieden werden (vgl. z.B. Jak 2,1-13). Allem voran wird das Liebesgebot ge­nannt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (vgl. 3. Mo 19,18; Mt 5,43; 19,19; Lk 10,27; Röm 13,9). Die Gemeinde als Leib Christi kann also als Vorbild in ihrem Umgang unterei­nander dienen und ein Ort sein, an welchem Mobbing-Opfer und selbst Mobbing-Täter aufge­nommen werden und heilen können. Dies ist der Kern des Evangeliums.

2.3. Paulus auf dem Aeropag: Mobbing um Jesu Willen

Apostelgeschichte 17,16-34 handelt davon, wie Paulus versucht, das Evangelium den Athenern zu erklären. Zunächst sind sie interessiert und wünschen sich, dass er ihnen mehr davon auf dem Areopag berichtet (möglicherweise vor ei­nem religiösen Gremium, das dort tagte). Seine Rede jedoch trifft kaum auf Glauben, sondern ei­nige verspotten ihn sogar (vgl. V. 32). 

Paulus hat häufig die Erfahrung gemacht, um des Evangeliums willen verhöhnt und sogar ver­folgt zu werden. Schon Jesus weist darauf hin, dass seine Jünger mit Nachteilen rechnen müs­sen (vgl. z.B. Mt 10,16-26). Nachdem Paulus die Christen wegen ihres Glaubens zunächst selbst verfolgt hat, wird er als Jünger Jesu dann auch verspottet, verfolgt und brutal angegriffen− man könnte in einigen Fällen sagen, er wird gemobbt. Paulus greift dieses Leidensmotiv oft in seinen Briefen auf, er ist sich bewusst, dass er für Jesus Nachteile erleiden muss (vgl. z.B. Kol 1,24− er kann sich sogar darüber freuen). Er weist auch darauf hin, dass Leiden zu einem Leben als Christ dazugehört (vgl. z.B. den 2. Timotheus­brief, der voll davon ist, s. Kap. 1,8.12; Kap. 2,3.9; Kap. 3, 12 usw.).

Nun ist Mobbing oder Verfolgung wegen des Glaubens sicherlich nichts Wünschenswertes, doch weist die Bibel darauf hin, dass Jesu Nach­folger auch mit solchen Situationen rechnen müssen. Wer bereit ist, sich für Jesus einzuset­zen, wird auf Widerstand und Missfallen stoßen. Gerade heutzutage finden viele postmodern ge­prägte Menschen einen exklusiven Glaubensan­spruch anstößig, denn er ist nicht mit ihrem „To­leranzdenken“ vereinbar. Deshalb kann es sein, dass man als Christ gemobbt wird, wenn man da­ran festhält. 

Gleichzeitig sollte man in solchen Fällen jedoch prüfen, was der Grund für das Mobbing ist: Geht es um den Glauben oder steht etwas anderes da­hinter? Ist es wirklich ein „Leiden um Jesu wil­len“, oder wird eine Person wegen ihres Ausse­hens oder ihres Charakters von anderen ge­mobbt? Auch Petrus weist in seinen Briefen da­rauf hin: 

„Etwas anderes wäre es, wenn jemand von euch ´eine Strafe` erleidet, weil er ein Mörder, ein Dieb oder sonst ein Verbrecher ist oder weil er die Rechte anderer missachtet. Dazu darf es na­türlich nicht kommen! Doch wenn jemand Schweres durchmacht, weil er ein Christ ist, braucht er sich deswegen nicht zu schämen“
(1 Pet 4,15-16, NGÜ).20Petrus versucht hier besonders zu betonen, dass die Schuld für Leiden nicht beim Opfer selbst liegen sollte. Natürlich ist ein Mobbingfall nicht gleichzusetzen mit Rechtsbruch.

Während Leiden und Verfolgung um des Glau­bens willen für Christen also „dazugehören“,21Das scheint in unserer Kultur nicht so dramatisch, jedoch sollten wir nicht vergessen, dass es für viele Christen in anderen Ländern tatsächlich Alltag ist (und uns fragen, warum es bei uns nicht so ist). ist Mobbing wegen anderer Dinge oder Eigenschaf­ten nicht damit gleichzusetzen. In beiden Fällen braucht eine Person, die darunter leidet, Unter­stützung. Doch während das Erste bis zu Jesu Wiederkunft immer ein Bestandteil von christli­chem Leben bleiben wird, sollte bei Zweitem nach einem Ausweg gesucht werden. In vielen Mobbingfällen sind wahrscheinlich beide Di­mensionen sogar miteinander verwoben, des­halb gilt es genau zu prüfen, welche Lösungsvor­schläge wirklich helfen können.

Nachdem wir uns diese Beispiele angeschaut ha­ben und daraus einige ethische Erkenntnisse ge­wonnen haben, wollen wir in Teil 3 überlegen, wie christliche Jugendarbeit beim Thema Mob­bing aktiv werden kann.

III. Was können wir tun? Mobbing und christliche Jugendarbeit

Wir haben festgestellt, dass Mobbing sehr häufig auftritt und somit auch Jugendliche betreffen kann, die zur eigenen Gemeinde oder Kirche ge­hören und die Jugendgruppe besuchen. Deshalb sollten sich Mitarbeiter in der christlichen Ju­gendarbeit mit dem Thema auseinandersetzen und die Jugendlichen dafür sensibilisieren. Die christliche Jugendarbeit hat dabei den Vorteil, dass sie den Platz eines „objektiven Verteidigers“ einnimmt: Sie kann Schutz bieten und Hilfestel­lungen geben, ist aber nicht der Ort der Konfron­tation (wie in der Schule).22Es sei denn, Mobbing entsteht tatsächlich in der Jugendgruppe oder Gemeinde, s. dazu 3.2. Dabei gibt es zwei Be­reiche, zum einen die Prävention von Mobbing und zum anderen die akute Hilfe im Mobbing­fall.

3.1. Prävention von Mobbing

In christlicher Jugendarbeit benötigt man keine ausgefeilten Anti-Mobbing-Programme, um für das Thema zu sensibilisieren und Mobbing vor­zubeugen. Stattdessen bietet der christliche Glaube viele hilfreiche Ansatzpunkte, welche die Jugendlichen in ihrem Umgang untereinander und mit anderen fördern können. Im Folgenden seien einige genannt: 

Über Mobbing „lehren“

Wie wir unter 2. gesehen haben, finden sich in der Bibel einige Geschichten mit wichtigen Ori­entierungshilfen zum Thema. So könnte bei ei­nem Jugendtreffen z.B. eine der obigen Ge­schichten behandelt und deren Erkenntnisse über Mobbing gemeinsam erarbeitet werden. Weiterhin kann in Einheiten zur Sprache kom­men, welcher Wert uns in Jesus zugesprochen wird (z.B. anhand von Psalm 139 oder Römer 8). Dies kann den Jugendlichen helfen, einen gesun­den Blick auf sich sowie auch andere zu entwi­ckeln- nicht zu hoch und nicht zu niedrig.

Eine besondere Erfahrung kann es außerdem sein, in einer Veranstaltung eine (ehemals) von Mobbing betroffene Person zur Sprache kom­men zu lassen, z.B. in Form eines Interviews. Diese kann darüber berichten, wie sie Mobbing erlebt hat und was ihr geholfen hat, damit umzu­gehen.

Ein offenes und vertrautes Klima schaffen

Gemeinde und somit auch Jugendarbeit sollte ein Ort sein, an dem eine Atmosphäre der Offen­heit und Vertrautheit herrscht. Diese zu fördern, kann auf allen Ebenen passieren. Zunächst sind die Leiter herausgefordert, selbst Ehrlichkeit und Offenheit zu leben und andererseits auch vertraulich mit ihnen zugetragenen Informatio­nen umzugehen. Weiterhin sind regelmäßige Mentoren- oder Coachinggespräche mit allen Ju­gendlichen sinnvoll. Darin kann auf aktuelle Ängste und Probleme der Teens eingegangen werden; ihnen wird vermittelt, dass ihre Sorgen gehört und ernst genommen werden. Solche Ge­spräche sollte nicht allein der Leiter der Jugend­gruppe führen, sondern auch die Mitarbeiter mit ihnen anvertrauten Jugendlichen. Ein Klein­gruppensystem einzuführen, kann dabei helfen und dazu beitragen, dass jeder Jugendliche einen Ansprechpartner hat. In den Kleingruppen kann außerdem eine offene und vertraute Atmo­sphäre geübt und gelebt werden.

Daneben kann es hilfreich sein, gemeinsam mit den Jugendlichen biblische Werte und eine Vi­sion für die Jugendgruppe zu erarbeiten, die dort gelebt werden sollen. Die Vision und deren Werte (z.B. Echtheit, Ehrlichkeit, Vertrauen…) können von Zeit zu Zeit wiederholt werden, um sie für die Jugendlichen präsent zu halten.

Ein Leib: Das „Wir-Gefühl“ stärken

Biblisch gesehen ist Gemeinde „ein Leib“, des­halb können Jugendliche gerade hier üben und lernen, beziehungsfähig zu werden. Gerade in dieser Altersgruppe kann das anhand verschie­dener erlebnispädagogischer Aktionen und Spiele geschehen. So können gemeinsamer Sport oder Gruppenspiele das Wir-Gefühl stär­ken.23Für zahlreiche Spiele und Übungen, die soziale Kompetenzen fördern, sei auf „Teil 3: Methoden und Übungen“ im Anti-Mobbing-Buch von Mustafa Jannan verwiesen (s. Literaturliste). Auch Konzepte wie eine christliche Pfad­finderarbeit (z.B. die „Royal Rangers“) helfen, durch gemeinsame Aufgaben und Herausforde­rungen zusammenzuwachsen und sich gegensei­tig zu unterstützen. Daneben kann eine Aktion wie die Renovierung des Jugendraumes oder ein soziales Projekt ebenso die Verbundenheit un­tereinander fördern.

Persönlichkeit und Gaben entdecken

In der christlichen Gemeinde werden alle ge­braucht, da jeder individuelle Gaben und Fähig­keiten besitzt. Deshalb sollten Jugendliche er­mutigt werden, sich mit ihrer eigenen Persön­lichkeit und ihren Gaben auseinanderzusetzen (z.B. anhand von Tests, persönlichen Gesprä­chen, Ausprobieren in verschiedenen Bereichen usw.). Diese können sie dann in der Jugend­gruppe sowie darüber hinaus in der Gemeinde einbringen und dabei ihre individuellen Stärken kennenlernen. 

Barmherzigkeit und Nächstenliebe üben

Als Christen sind wir aufgefordert, gerade den Armen und Schwachen zu helfen und ihnen die gute Botschaft zu bringen. Wenn Jugendgruppen sich mit den Benachteiligten und Gemobbten der Gesellschaft solidarisieren und konkrete Schritte gehen, um solchen Menschen zu helfen, können die Jugendlichen Barmherzigkeit lernen und mehr Verständnis für die Schwachen bekom­men. Sie können anderen dienen, indem sie z.B. in einem Besuchsdienst für alte Menschen oder auch bei einer Arbeit mit Obdachlosen oder Ge­flüchteten mithelfen. 

Außerdem kann es nützlich sein, sich zunächst darüber Gedanken zu machen, welche Vorur­teile gegenüber anderen Menschen(-gruppen) in den eigenen Köpfen herrschen. Hat man diese erst einmal entlarvt, kann man viel offener für andere sein. 

Elternarbeit aufbauen

Eine Elternarbeit aufzubauen, hat viele Vorteile und kann auch helfen, Mobbing zu vermeiden. Wenn ein regelmäßiger Kontakt zwischen den Mitarbeitern bzw. Leitern der Jugendgruppe und den Eltern besteht, können diese gemeinsame Schritte gehen, um die Jugendlichen zu fördern und rechtzeitig zu handeln, bevor es zu einem Mobbingfall kommen sollte. Trotzdem sollte auch darauf geachtet werden, dass die Eltern dadurch nicht ihre Kinder kontrollieren.

All diese Dinge sind Möglichkeiten, wie christli­che Jugendarbeit schon aktiv vorbeugen kann, so dass es nicht zu Mobbing kommt. Abschlie­ßend wollen wir aber noch betrachten, was hilf­reich ist, wenn der Fall doch eintritt.

3.2. Hilfestellungen im Mobbingfall

Wie bereits erwähnt, befinden sich höchstwahr­scheinlich Mobbing-Opfer auch unter den Teil­nehmern einer Jugendgruppe, möglicherweise ebenso Täter. Zunächst stellt sich die Frage, wo­ran dies zu erkennen ist:

Anzeichen für Mobbing

Einige Hinweise, dass es sich um Mobbing-Opfer handelt, können sein:24Vgl. Alsaker, Mutig, 177; Jannan, Anti-Mobbing-Buch, 23; Wachs, Mobbing, 24.

-Sie gehen nicht gern zur Schule oder haben Angst davor; erfinden Ausreden, um nicht zur Schule gehen zu müssen;

-ihre schulischen Leistungen verschlechtern sich plötzlich und deutlich;

-sie haben körperliche Probleme wie Kopf- oder Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit oder Schlaf­störungen;

-sie wirken unglücklich und bedrückt, ziehen sich zurück, sind ängstlich oder angespannt und wirken zerstreut;

-sie tragen Verletzungen oder kaput­te/beschädigte Gegenstände mit sich;

-sie haben keine oder wenige Freunde, werden von den anderen gemieden und nicht mehr zu ihnen eingeladen.

Viele der potenziellen Warnsignale sind von Au­ßenstehenden nicht leicht zu erkennen. Außer­dem kann es sein, dass ein Mobbing-Opfer in der Jugendgruppe keine dieser Anzeichen zeigt, weil es sich dort „erholen“ kann. Deshalb gilt es, sehr sensibel mit den Beobachtungen umzugehen und bei Bedarf vorsichtig die Eltern hinzuzuzie­hen; sie können diese Hinweise dann bewerten.

Anzeichen für Mobbing-Täter können sein:25Vgl. Wachs, Mobbing, 24.

-Sie haben eine dominante Stellung in der Gruppe, stehen häufig im Mittelpunkt;

-sie weisen wenig Empathie für Schwächere auf, sind eher impulsiv und aggressiv;

-sie sind immer wieder in Streitigkeiten verwi­ckelt, schüchtern andere schnell ein;

-sie setzen andere unter Druck oder verbreiten Gerüchte, um andere zu beeinflussen.

Auch hier sollten alle Signale vorsichtig betrach­tet werden und bei Bedarf mit Eltern oder Leh­rern sowie Mitschülern abgesprochen werden.

Wie können wir also in der christlichen Jugend­arbeit Betroffene unterstützen?

Unterstützung für Opfer

Gerade wenn sich ein Mobbing-Opfer in der Ju­gendgruppe befindet, ohne dass Täter oder in­volvierte Mitschüler anwesend sind, kann dies ein Ort der Ruhe und Erholung für die Gemobb­ten sein. Die Gemeinde und Jugendgruppe kön­nen solchen Personen eine Heimat werden, in der sie sein dürfen wie sie sind und nicht ständig an den Konflikt denken müssen. Das ist eine große Chance, deshalb sollten Mitarbeiter da­rauf bedacht sein, eine angenehme, offene und herzliche Atmosphäre zu fördern, in der sich je­der willkommen fühlt. Dafür kann es hilfreich sein, wenn sie als Vorbilder für die (anderen) Ju­gendlichen einen ersten Schritt auf die Außen­stehenden, Schüchternen oder Gemobbten zuge­hen und diese somit ermutigen, auch solche Per­sonen zu integrieren und sich mit ihnen anzu­freunden. Auf diese Weise können Jugendliche, die sonst „Opfer“ sind, neu ihre bedingungslose Wertigkeit erkennen. Wenn sie motiviert wer­den, sich mit ihren Fähigkeiten einzubringen, erfahren sie außerdem Bestätigung und Aner­kennung. Dies kann ihnen auch helfen, gestärkt in den Mobbing-Konflikt zu treten. 

Weiterhin ist es wichtig, Mobbing-Opfer auch persönlich zu begleiten. Dies kann, je nach Schwere des Mobbings, über Mentoring, eine Zweierschaft oder Seelsorge geschehen (oder auch in Kombination). Ziele dieser Beziehungen sind:

-Diesen Jugendlichen zuzuhören und sie zu be­gleiten;

-sie neu in ihrem Wert in Jesus zu bestätigen und sie zu stärken;

-mit ihnen biblische Geschichten zum Thema zu lesen und daraus hilfreiche Erkenntnisse für ihre Situation abzuleiten;

-gemeinsam mit ihnen für den Konflikt und eine Veränderung zu beten;

-einen Vergebungsprozess zu durchlaufen, in dem sie ihren Täter(n) und Mitschülern verge­ben und für sie beten (vgl. z.B. Mt 5,44-45; Röm 12,19);-ihnen zu helfen, Strategien für den Mobbing-Fall zu entwickeln und sich im Notfall auch selbst zu verteidigen;26Dies sollte nicht aus Rachegedanken geschehen, sondern nur, wenn das Opfer z.B. physisch misshandelt wird. Für weitere Gedanken dazu vgl. z.B. Arbuckle, Confronting, 122 f.; Hardin, What does the Bible teach us about Bullying? (Internetartikel).

-ihnen ihre Rechte aufzuzeigen und diese not­falls mit Hilfe von außen wieder zu verschaf­fen.27So handelt es sich z.B. bei Cybermobbing in den meisten Fällen um eine Straftat, vgl. Katzer, Cybermobbing, 71 ff. Eine Auflistung von hilfreichen Gesetzestexten findet sich bei Jannan, Anti-Mobbing-Buch, ab S. 179 (Teil 5,5).

Dabei ist es wichtig, sehr sensibel vorzugehen und die Betroffenen weder in eine solche Bezie­hung zu zwingen, noch vorzugeben, innerhalb welcher Zeit sie diese Ziele erreichen sollten. Das Opfer sollte lernen, aus eigener Entscheidung Schritte zu gehen, damit es neu lernt, selbst mündig und fähig zu sein.

Umgang mit Tätern

Auch Täter können sich unter Umständen in der Jugendgruppe befinden. Für sie ist es ebenfalls wichtig, dass sie Begleitung und Unterstützung empfangen, denn nur so können sie ein anderes Verhalten lernen. So kann es hilfreich sein, diese Jugendlichen mit Jesus und dem Kreuz zu „kon­frontieren“: Obwohl er seine Macht hätte ausnut­zen können, hat er sich aus Liebe für andere Menschen erniedrigt und hingegeben (s. Phil 2,5-11). Wenn ein Täter also behauptet, an Jesus zu glauben, aber jemanden mobbt, wie kann er dann Jesus nachfolgen? Was hat das Kreuz in sei­nem Leben verändert? Das sind mögliche Fra­gen, die zum Nachdenken anregen können. Viel­leicht mobbt der Täter auch, weil er oder sie selbst ein Problem mit dem eigenen Wert hat und sich durch das Opfer in seiner sozialen Stel­lung (fälschlicherweise) bedroht sieht. Dann kann es ebenso helfen, diesen Personen neu ih­ren Wert in Jesus zuzusprechen, der nicht zu hoch und nicht zu niedrig ist.28Ein hilfreiches kleines Buch dazu ist von Tim Keller: „Vom Glück, selbstlos zu leben“ (Originaltitel „The Freedom of Self-Forgetfulness“).

Weiterhin kann es hilfreich sein, für solche Per­sonen eine bestimmte Aufgabe des Dienens zu suchen. Sie könnten z.B. bei sozialdiakonischen Projekten mit eingesetzt werden oder beim Be­suchsdienst für ältere Menschen, aber auch kon­kret in der Jugendgruppe, indem sie dort für eine schwächere Person oder einen Jugendlichen mit Handicap Verantwortung übernehmen. Das kann dazu führen, dass die Täter selbst mehr Empathie und prosoziales Verhalten gegenüber anderen lernen; jedoch sollte auch diese Auf­gabe begleitet werden, damit sie ihre Erfahrun­gen im Gespräch reflektieren können. 

Nicht zuletzt ist es von großer Bedeutung, auch solchen Menschen in Liebe und Geduld zu be­gegnen und ihnen Annahme zu zeigen, denn weil sie diese oft selbst nicht erfahren haben, sind sie zu Tätern geworden. Gleichzeitig müs­sen sie umso mehr Grenzen ihres Handelns erle­ben können. 

Mobbing in der Jugendgruppe oder Gemeinde

Was ist aber, wenn es tatsächlich auch zu einem Mobbingfall in der Jugendgruppe kommt? Wenn eine konkrete Mobbing-Situation geschieht und jemand diesen Vorfall beobachtet, sollte sofort eingegriffen werden. Daraufhin ist Hilfe bei ver­antwortlichen Leitern oder auch (je nach Schwe­regrad) der Gemeindeleitung zu suchen und im gemeinsamen Gespräch zu überlegen, wie wei­ter vorgegangen werden soll. Sicherlich ist es auch hilfreich, erfahrene Personen im Umgang mit Mobbing hinzuzuziehen und mit diesen den Fall zu besprechen. 

Anschließend können Gespräche mit dem Opfer, dem oder den Täter(n) und der gesamten Gruppe geführt werden. Auch hier kann es helfen, Grup­penspiele und -übungen zu machen oder über gemeinsame Werte nachzudenken (s. 3.1). Wich­tig ist es, das Mobbing nicht zu verschweigen oder zu verharmlosen, sondern gemeinsam mit den Jugendlichen nach konstruktiven Lösungen zu suchen. Dabei können gerade die christlichen Elemente wie gemeinsames Gebet oder biblische Werte eine wertvolle Hilfe sein. 

Ein schwieriges Thema, das häufig auch mit Mobbing in Gemeinden zusammenhängt, ist re­ligiöser Missbrauch. Dabei setzen meist die Ver­antwortlichen einer Kirche ihre Mitglieder unter Druck, bestimmte Regeln einzuhalten oder Dinge für sie zu tun. In solchen Fällen sollten Be­troffene auf jeden Fall seelsorgerliche Hilfe von außen suchen.29Vgl. den Internetartikel „Mobbing? Bei uns doch nicht!“ (Literaturliste). Ein hilfreiches Buch zum Thema ist von Inge Tempelmann: „Geistlicher Missbrauch. Auswege aus frommer Gewalt“.

Ausblick

Mobbing ist ein komplexes Thema, bei dem viele verschiedene Faktoren im Hintergrund stehen. Oft ist es als Außenstehender nicht leicht, einen detaillierten Einblick in alle diese Dinge zu be­kommen und weise Entscheidungen zu treffen, wie damit umzugehen ist. Doch wie in der Josefs­geschichte kann Gott auch solche zwischen­menschlichen Konflikte nutzen, um Menschen im Vertrauen auf ihn wachsen zu lassen und den Konflikt zu lösen. Mit dieser Hoffnung können wir auch heute Jugendlichen in unseren Gemein­den helfen und sie stärken.

Marie-Helen Bach

Endnoten

  • 1
    Vgl. Wachs, Mobbing, 20 f. Manchmal wird Mobbing eher für Schikanen am Arbeitsplatz und Bullying für selbige Handlungen unter Jugendlichen verwendet, vgl. Teuschel, Bullying, 12 f.
  • 2
    Vgl. dazu die Definitionen von Teuschel, Bullying, 34 f.; Jannan, Anti-Mobbing-Buch, 22; Alsaker, Mutig, 14; Wachs, Mobbing an Schulen, 18 f.
  • 3
    Vgl. Teuschel, Bullying, 31 ff.
  • 4
    Beispiele entnommen aus Wachs, Mobbing, 29.
  • 5
    Vgl. die Studie „Children’s Worlds+“, 93. Da dies keine Langzeitstudie ist, wurde hier nach den Erfahrungen im letzten Monat gefragt. Die hohen Zahlen lassen jedoch vermuten, dass sich solche Taten auch regelmäßig ereignen.
  • 6
    Vgl. Jannan, Anti-Mobbing-Buch, 25.
  • 7
    Merkmale entnommen aus Teuschel, Bullying, 89, 98-99, 102; Jannan, Anti-Mobbing-Buch, 35 f.
  • 8
    Vgl. Wachs, Mobbing, 69 ff.
  • 9
    Vgl. Jannan, Anti-Mobbing-Buch, 31 f.
  • 10
    Vgl. Teuschel, Bullying, 111 ff.
  • 11
    Merkmale entnommen aus Teuschel, Bullying, 120 ff.; Jannan, Anti-Mobbing-Buch, 32 f.
  • 12
    Vgl. Wachs, Mobbing, 73 ff.; Alsaker, Mutig, 136 ff.
  • 13
    Vgl. Alsaker, Mutig, 76.
  • 14
    Vgl. z.B. Teuschel, Bullying, 135 ff; Wachs, Mobbing, 64. Zu den Häufigkeiten: In der Studie waren etwa weitere 8% Täter, 17% Opfer und 13% konnten keiner Gruppe zugerechnet werden.
  • 15
    Vgl. dazu Wachs, Mobbing, 54; Teuschel, Bullying, 163 ff.
  • 16
    Vgl. Katzer, Cybermobbing, 61.
  • 17
    Vgl. ebd. 62 ff.
  • 18
    Vgl. Teuschel, Bullying, 23 f.
  • 19
    Wenn eine Einzeltat schon traumatisierende Folgen für das Opfer hat, kann dies auch Mobbing sein, s. unter 1.1.
  • 20
    Petrus versucht hier besonders zu betonen, dass die Schuld für Leiden nicht beim Opfer selbst liegen sollte. Natürlich ist ein Mobbingfall nicht gleichzusetzen mit Rechtsbruch.
  • 21
    Das scheint in unserer Kultur nicht so dramatisch, jedoch sollten wir nicht vergessen, dass es für viele Christen in anderen Ländern tatsächlich Alltag ist (und uns fragen, warum es bei uns nicht so ist).
  • 22
    Es sei denn, Mobbing entsteht tatsächlich in der Jugendgruppe oder Gemeinde, s. dazu 3.2.
  • 23
    Für zahlreiche Spiele und Übungen, die soziale Kompetenzen fördern, sei auf „Teil 3: Methoden und Übungen“ im Anti-Mobbing-Buch von Mustafa Jannan verwiesen (s. Literaturliste).
  • 24
    Vgl. Alsaker, Mutig, 177; Jannan, Anti-Mobbing-Buch, 23; Wachs, Mobbing, 24.
  • 25
    Vgl. Wachs, Mobbing, 24.
  • 26
    Dies sollte nicht aus Rachegedanken geschehen, sondern nur, wenn das Opfer z.B. physisch misshandelt wird. Für weitere Gedanken dazu vgl. z.B. Arbuckle, Confronting, 122 f.; Hardin, What does the Bible teach us about Bullying? (Internetartikel).
  • 27
    So handelt es sich z.B. bei Cybermobbing in den meisten Fällen um eine Straftat, vgl. Katzer, Cybermobbing, 71 ff. Eine Auflistung von hilfreichen Gesetzestexten findet sich bei Jannan, Anti-Mobbing-Buch, ab S. 179 (Teil 5,5).
  • 28
    Ein hilfreiches kleines Buch dazu ist von Tim Keller: „Vom Glück, selbstlos zu leben“ (Originaltitel „The Freedom of Self-Forgetfulness“).
  • 29
    Vgl. den Internetartikel „Mobbing? Bei uns doch nicht!“ (Literaturliste). Ein hilfreiches Buch zum Thema ist von Inge Tempelmann: „Geistlicher Missbrauch. Auswege aus frommer Gewalt“.

Bibliografie

Alsaker, Francoise D., Mutig gegen Mobbing in Kindergarten und Schule, 2. unveränderte Auf­lage, Hogrefe, Bern 2017

 

Andresen, Sabine/Renate Möller, Children’s Worlds+. Eine Studie zu Bedarfen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, Gesamtaus­wertung, Bertelsmann-Stiftung, Gütersloh 2019

 

Arbuckle, Gerald A., Confronting the Demon. A Gospel Response to Adult Bullying, Liturgical Press, Collegeville 2003

 

Hardin, Neal, What does the Bible teach us about Bullying?, https://erlc.com/resource-li­brary/articles/what-does-the-bible-teach-us-about-bullying/ vom 21.11.2020

 

Jannan, Mustafa, Das Anti-Mobbing-Buch. Ge­walt an der Schule – vorbeugen, erkennen, han­deln, 2008, 4., vollständig überarbeitete Auf­lage, Beltz, Weinheim und Basel 2015

 

Katzer, Catarina, Cybermobbing. Wenn das In­ternet zur W@ffe wird, Springer Spektrum, Berlin/Heidelberg 2014

 

Schneebeli, Rebecca, Mobbing? Bei uns doch nicht! (Interview mit Jacob Wiebe), https://www.erf.de/themen/leben/mobbing-bei-uns-doch-nicht/6866-542-4402 vom 01.12.2020

 

Teuschel, Peter/Klaus Werner Heuschen, Bul­lying. Mobbing bei Kindern und Jugendlichen, Schattauer, Stuttgart 2013

 

Wachs, Sebastian/Markus Hess u.a., Mobbing an Schulen. Erkennen-Handeln-Vorbeugen (Brennpunkt Schule), W. Kohlhammer, Stutt­gart 2016